19. Lebensmarsch 2026
- Christian Ehetreiber
- 30. Mai
- 4 Min. Lesezeit
19. Lebensmarsch zum Todesmarschmahnmal 1945 am Präbichl
Ein innovatives intergeneratives Projekt der Erinnerungskultur
Tiefgang im seichten Meer des Oberflächlichen
In Zeiten des oberflächlichen Scrollens und Surfens im seichten Meer von Social Media sind Bildungsprojekte mit Tiefgang die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Das Projekt „Todesmarsch Eisenstraße 1945“ ist seit mittlerweile 26 Jahren ein tiefschürfendes intergeneratives Projekt für politischen Bildung und Beteiligung. Die Stadtgemeinde Eisenerz, die Eisenerzer Schulen (BORG, BHAK, MS, Polytechnische Schule) und die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus erarbeiteten von 2000 bis 2004 in bewährter Zusammenarbeit das Mahnmal zur Erinnerung an die über 200 jüdischen Opfer des Todesmarsches vom 7. April 1945 am Präbichl.
Eine Reihe an Produkten der politischen Bildung in 26 Jahren
Flankierend zum Mahnmal entstand eine Reihe an innovativen Produkten: vom Gedenkbuch über den Schauraum im Eisenerzer Stadtmuseum, Videos zur Rezeption des Mahnmals aus der Sicht der Bevölkerung, zahlreiche Bildungsveranstaltungen, Gespräche mit Zeitzeug*innen und zwei (vergriffene) Buchpublikationen im CLIO-Verlag. Die 26 Jahre der Zusammenarbeit erweisen sich in der Rückschau als ambitioniertes, vom Engagement hunderter Aktivist*innen getragenes Erinnerungsprojekt, das ein würdevolles Gedenken an die Opfer mit dem Anspruch einer innovativen Demokratie- und Menschenrechtsbildung verknüpft.
Der 19. Lebensmarsch zum Todesmarschmahnmal
Am 29. Mai 2026 fand auf Einladung von Bürgermeister Thomas Rauninger und Gemeinderat Gerhard Niederhofer, Obmann des Kulturausschusses, der 19. Lebensmarsch zum Todesmarschmahnmal statt. An der Veranstaltung nahm der obersteirische Nationalrat und Betriebsratsvorsitzende der voestalpine Stahl Donawitz GmbH, Franz Jantscher, und Esther Dirnberger, Fachreferentin des Vereins Lila Winkel, teil. Esthers Verein sichert durch Vorträge an Schulen die Erinnerung an die mutigen Wehrdienstverweigerer der Zeugen Jehovas, die den Kriegsdienst in der Deutschen Wehrmacht verweigerten und dies mit dem Leben bezahlten!
Ergreifend erzählte Geschichten
Die Lehrer*innen und Schüler*innen der BHAK Eisenerz, des BORG Eisenerz und der MS Eisenerz wanderten unter der Führung von Gerhard Niederhofer entlang der alten Präbichlstraße bergwärts zum Mahnmal. Wie jedes Jahr vermochte es der geschätzte Freund Gerhard, die tragischen Geschichten anhand von Einzelschicksalen ergreifend und berührend zu erzählen. Die Jugendlichen beeindruckten durch ihr aufmerksames Zuhören und ihre respektvolle Teilnahme an der Veranstaltung. Bei der Gedenkfeier betonten die drei Redner BGM Thomas Rauninger, GR Gerhard Niederhofer und Christian Ehetreiber die Verknüpfung des würdevollen Erinnerns an die Opfer des Todesmarsches mit zentralen Anliegen der politischen Bildung für Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit. Der GF-Obmann der ARGE Jugend, Mag. Dominik Knes, sorgte für die musikalische Rahmung der Veranstaltung. Er setzte die von seinem Vorgänger Ehetreiber übernommene Zusammenarbeit mit der Stadt Eisenerz und den Eisenerzer Schulen in der Erinnerungsarbeit in innovativer Weise fort.
Links zu Infos, Bildern und Videos zum Projekt „Todesmarsch Eisenstraße 1945“
Link zum Verein Lila Winkel
Vertiefende Informationen zum Eisenerzer Erinnerungsprojekt
Das Projekt „Todesmarsch Eisenstraße 1945“ startete am 18. Oktober 2000 mit dem einstimmigen Beschluss im Eisenerzer Gemeinderat, ein Mahnmal zur Erinnerung an die über 200 ermordeten ungarischen Jüdinnen und Juden im Rahmen des Todesmarsches vom 7. April 1945 zu errichten. Überdies sah der Beschluss vor, dass ein überparteiliches Personenkomitee das Projekt begleiten und intergenerative Beteiligung sicherstellen möge.
Die Stadtgemeinde Eisenerz und das Personenkomitee entschieden sich, das ehrgeizige Vorhaben als Jugendbeteiligungsprojekt in Zusammenarbeit mit den Eisenerzer Schulen – mit dem BORG Eisenerz, der BHAK Eisenerz, der Polytechnischen Schule und der MS Eisenerz umzusetzen. In den Jahren 2000 bis 2004 fanden zahlreiche begleitende Bildungsveranstaltungen zum Thema „Todesmarsch“ an den Schulen wie auch in der Erwachsenenbildung statt. Die Entwürfe für das Mahnmal am Präbichl wurden im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs unter den Eisenerzer Schulen erarbeitet, die insgesamt 14 kreative Entwürfe inklusive Modelle einreichten. Das realisierte Mahnmal wurde von einer Projektgruppe der 4. Klasse der damaligen HS Eisenerz entwickelt und von der Stadtgemeinde Eisenerz mit der Firma BTE Eisenerz und unter handwerklicher Mitwirkung der Jugendlichen errichtet.
Am 16.6.2004 wurde das Mahnmal vom damaligen Bügermeister Mag. Gerhard Freinger und Vizebürgermeister Gerhard Niederhofer feierlich enthüllt. Bei dieser Veranstaltung nahmen zwei Überlebende des Todesmarsches, Juditha Hruza und Beila Budai teil: ein unvergessliches Gespräch für uns, die wir mit ihnen über diesen Massenmord sprechen durften. Juditha und Bela rannten an jenem 7. April 1945 im Kugelhagel des Eisenerzer Volkssturmes buchstäblich um ihr Leben.
Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus initiierte das Vorhaben und wirkte u. a. in den Rollen der Prozessmoderation, der Entwicklung und Umsetzung der themenbezogenen Bildungsangebote vor Ort, der Durchführung des Gestaltungswettbewerbs, der Mitarbeit an zwei wissenschaftlichen Buchpublikationen und an einigen der Folgeprojekte zum Thema mit. Diese fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen der Stadt Eisenerz und der Eisenerzer Schulen mit der ARGE Jugend währt mittlerweile durchgängig seit 26 Jahren! Das Projekt war in all den Jahren getragen von der Einstimmigkeit im Eisenerzer Gemeinderat und in der Stadtregierung und von der engagierten Mitwirkung der Direktionen, der Lehrer*innen und Schülerinnen der Eisenerzer Schulen.
Der unermüdliche Gerhard Niederhofer, Gemeinderat und Obmann des Kulturausschusses der Stadt Eisenerz, sei an dieser Stelle mit herzlichstem Dank bedacht für seine seit dem Jahr 2000 (!) geleistete ehrenamtliche Arbeit als Projektmanager, Pädagoge und Kommunalpolitiker an allen Modulen dieses vielschichtigen, interdisziplinären Projekts Todesmarsch Eisenstraße 1945! Über 2000 Besucher*innen aus rund 50 Staaten trugen sich bislang in das Gedenkbuch ein. Das Gedenkprojekt erfreut sich seit dem Jahr 2000 einer durchgängig sehr sachlichen, breiten und wertschätzenden medialen Resonanz, wofür zu danken ist!



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